
Was jahrelang wie ein nachhaltiger Kreislauf funktionierte, steht 2026 kurz davor zu scheitern liest man derzeit in den Salzburger Nachrichten (9.1.2026). Die Altkleidersammlung. Container verschwinden, Sortierzentren schließen – und Gemeinden müssen plötzlich dafür zahlen, dass gespendete Kleidung überhaupt abgeholt wird. Auch andere Medien wie der Standard und Re-use haben vor einigen Monaten darauf aufmerksam gemacht.
Warum das System kippt
Mehr Kleidung landet in den Containern – aber immer weniger davon ist verwendbar. Der Grund: Fast Fashion, Billigmode und synthetische Materialien überrollen das System. Die Qualität ist schlechter, die Sortierung teurer, und die Absatzmärkte sind weggebrochen – vom Krieg in der Ukraine bis zu überfüllten Märkten im globalen Süden.
Der Geschäftsführer von Texaid Austria sagt es drastisch:
„Wenn es so weitergeht, wird das System zusammenbrechen.“
– Nico Brischke, Texaid Austria
Container verschwinden – und Gemeinden zahlen drauf
Schon 800 von 2400 Containern wurden in Österreich abgebaut, in Deutschland sogar rund 10.000. Weil die Entsorgung nicht mehr kostendeckend möglich ist, wird jetzt immer öfter eine Gebühr pro Kilo fällig – und zwar für die Kommunen.
Abfallverbände und karitative Betriebe zahlen inzwischen Zuzahlungen, berichten:
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Lungauer Abfallwirtschaftsverband
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Flachgauer Gemeinden
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Caritas Salzburg
Die Caritas musste ihr Sortierzentrum in Mayrwies schließen, weil es finanziell nicht mehr tragbar war.
Fast Fashion: Gekauft, getragen, weggeworfen
Immer mehr Altkleider sind praktisch Müll. „Nicht, weil die Menschen böse sind, sondern weil sie Böses kaufen“, sagt ein Verwerter. Marken wie Temu, Shein oder Primark dominieren – Kleidung wird billiger produziert und schneller entsorgt.
Ein drastisches Beispiel: Manche Menschen waschen nicht mehr – sie kaufen neu und werfen weg.
Und: Secondhand braucht Qualität. Doch die landet immer seltener in den Containern.
Neues Leben für nur drei von 20 Kleiderstücken
Eine Greenpeace-Untersuchung, die der Standard am 13. August 2025 online in einem Beitrag vorstellte zeigt Erschreckendes auf: Viele Kleidungsstücke, die in Österreich in Sammelcontainern landen, finden kein zweites Leben. Von 20 getrackten Stücken wurden nur drei tatsächlich wiederverwendet – viele wurden ungenutzt gelagert, zerstört oder verbrannt. Manche reisten tausende Kilometer nach Asien und wurden dort entweder als Ersatzbrennstoff in Industrieanlagen eingesetzt oder blieben am Ende wohl auf Deponien liegen. Dieser globale Transport ist nicht nur klimapolitisch problematisch, sondern auch ein Zeichen dafür, dass europäische Systeme für Sammlung, Sortierung und Recycling nicht ausreichend vorhanden oder wirtschaftlich tragfähig sind.
Drohender Kollaps der Textilverwertung – Expert:innen schlagen Alarm
Der Verein Re-Use Austria (und sein Präsident Matthias Neitsch) warnt ebenfalls in einem Beitrag des Circular Economy Forum: Obwohl Secondhand-Kleidung weiterhin gefragt ist, kann der Absatz hochwertiger Gebrauchtware die Kosten für Sammlung und Verwertung schlechter Qualitäten nicht mehr tragen.
Ursachen dieser Marktverwerfungen sind u. a.:
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Flut unbrauchbarer, nicht verwertbarer Textilien aufgrund von Fast Fashion
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unzureichende Recycling- und Sortierkapazitäten in Europa
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erschwerte Exportwege in Drittländer
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seit 2025 verpflichtende getrennte Textilsammlung, die aber ohne funktionierende Infrastruktur kaum umgesetzt werden kann
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mangelnde Zwischenfinanzierung bis zur Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) um 2028
Neitsch und Re-Use Austria fordern daher dringend öffentliche Überbrückungsfinanzierung für Sammlung, Sortierung und Aufbau inländischer Verwertungsanlagen, bevor diese Strukturen unrettbar zusammenbrechen.
Ein Funken Hoffnung: Ab 2028 zahlen die Modehersteller
Ab 2028 müssen laut Salzburger Nachrichten die Textilhersteller EU-weit mitfinanzieren, was sie an Müll verursachen. Das bringt Hoffnung – aber erst in zwei Jahren. Bis dahin müssen viele Betriebe ums Überleben kämpfen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Altkleidersammlung für Jahrzehnte ein Symbol für ein einfaches, gutes Gewissen war. Doch 2026 zeigt brutal: Der Kreislauf ist überlastet, wirtschaftlich kaputt und ökologisch falsch gesteuert.
Die Verantwortung liegt nun bei uns allen:
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der Politik (für neue Regeln),
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den Herstellern (ab 2028 finanziell),
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und uns Konsument:innen (im Kaufverhalten – ab sofort).
Der vollständige Artikel der Salzburger Nachrichten ist HIER als PDF nachzulesen.
© Foto & Text:
Salzburger Nachrichten Artikel vom 9.1.2026
Reuse Austria.at: Im Kampf gegen lineare Marktverwerfungen droht Kollaps der Textilverwertung