
Was muss ein Textil der Zukunft leisten? Es soll funktional, langlebig und leistungsfähig sein – gleichzeitig aber weniger fossile Rohstoffe benötigen und besser in eine Kreislaufwirtschaft passen. Genau an diesem Spannungsfeld arbeitet FreyZein Next Gen Textiles aus Graz. Das Unternehmen entwickelt zellulosebasierte Materialien, die Nachhaltigkeit und technische Performance verbinden sollen.
Nachhaltigkeit beginnt beim Material
FreyZein setzt auf zellulosebasierte Monomaterialien und möchte damit eine Alternative zu petrochemisch basierten Textilien schaffen. Die S° Series besteht laut Unternehmen aus 100 Prozent Zellulose und ist als zwei- beziehungsweise dreilagiges Material konzipiert. Dabei sollen Eigenschaften wie Winddichtigkeit, Wasserabweisung und Atmungsaktivität kombiniert werden.
Der Monomaterial-Ansatz ist besonders interessant für die Kreislaufwirtschaft. Denn klassische technische Textilien bestehen häufig aus unterschiedlichen Fasern, Beschichtungen und Membranen. Diese Materialkombinationen können Recycling und Wiederverwertung erschweren.
FreyZein versucht deshalb, mehrere Funktionen innerhalb eines einheitlichen Materialsystems abzubilden.
Von der Innovation zur industriellen Anwendung
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der Entwicklung eines nachhaltigen Materials. Entscheidend ist die Skalierbarkeit.
Zwischen einem funktionierenden Prototyp und einer industriell nutzbaren Lösung liegen Fragen zu Produktionskapazität, Qualität, Kosten, Verarbeitung und Lieferketten.
Auch die Zusammenarbeit mit Forschungspartnern spielt dabei eine wichtige Rolle. Für die gemeinsame Weiterentwicklung der S° Series mit V-Research erhielt FreyZein 2025 den ACR Innovation Award.
Bereits die Austria Wirtschaftsservice beschreibt FreyZein als Unternehmen, das ein hochwertiges, wasserdichtes und atmungsaktives Zellulosegewebe entwickelt hat. Dabei wurde unter anderem an Verfahren gearbeitet, um Zellulosematerialien ohne Klebstoff miteinander zu verbinden.
Next Gen Materials brauchen neue Denkweisen
Die Entwicklung nachhaltiger Textilien bedeutet damit mehr als den einfachen Austausch eines Rohstoffs. Entscheidend ist die Frage, wie Materialien von Anfang an so konzipiert werden können, dass sie leistungsfähig, ressourcenschonend und möglichst kreislauffähig sind.
FreyZein verfolgt diesen Ansatz mit einer zellulosebasierten Materialarchitektur, die technische Funktionalität mit einer einheitlichen Rohstoffbasis verbinden soll.
Das könnte langfristig für unterschiedliche Anwendungen interessant werden – von Outdoor- und Sportbekleidung über Workwear bis hin zu Fashion.
Der nächste Schritt: Nachhaltigkeit muss skalierbar werden
Die textile Zukunft wird nicht allein durch neue Rohstoffe entschieden. Entscheidend ist, ob innovative Materialien den Schritt vom Labor in wirtschaftlich relevante Produktionsmengen schaffen.
FreyZein zeigt beispielhaft, wie aus einer nachhaltigen Materialidee ein technologieorientiertes Entwicklungsprojekt entstehen kann. Der Weg führt dabei von Forschung und Materialentwicklung über Pilotproduktion bis hin zur Zusammenarbeit mit Marken und industriellen Partnern.
Der Titel von Jan Karlssons Vortrag bringt diese Herausforderung treffend auf den Punkt: Nachhaltige Innovation muss skalierbar werden.
Erst wenn neue Materialien gleichzeitig ökologisch überzeugend, technisch leistungsfähig und industriell produzierbar sind, können sie die textile Wertschöpfung nachhaltig verändern.